Auf dieser Seite geht es um folgende Themen:
- Vorteile des MT bei Einsätzen
- Nachteile/Grenzen
des MT
- Sinnvolle
Einsatztaktik beim MT
- Anforderungsprofil
an den MT
- Sind wir
reif für den Einsatz?
-
Wie sollte ein MT-Einsatz aussehen?
- Prüfungen
sinnvoll oder nicht?
- „erfolgreiche“ MT-Einsätze
- Sammlung
von Berichten zu MT-Einsätzen
1) Vorteile des MT bei Einsätzen
Mantrailing ist eigentlich eine sehr effiziente
Suchmethode, weil die vermisste Person durch nur ein Suchteam gefunden
werden kann. Der Mantrailer kann im günstigsten Fall die Person
alleine finden, ohne dass weitere Suchteams benötigt werden, weil
er wirklich nur dort sucht, wo die Person auch war. Außerdem kann
der Mantrailer anzeigen, ob die gesuchte Person überhaupt in der Gegend
war, wo sie vermutet wird und schließlich – selbst wenn die Trail
nicht bis zur Person selbst verfolgt werden kann, so kann das Mantrailing-Team
zumindest eine Richtung vorgeben, in die die vermisste Person gegangen ist.
2) Nachteile/Grenzen des MT
Obwohl in der Theorie vielleicht das Mantrailing
einfach wirkt, so ist es doch eine recht schwierige Aufgabe für
den Hund, weil Trails und deren Haltbarkeit von sehr vielen verschiedenen
Faktoren abhängen. Zwei Situationen im Besonderen, stellen den
Mantrailer vor eine nahezu unlösbare Aufgabe: Trails, die sich
selbst häufig kreuzen, mit vielen Geruchspools versehen sind,
oder auf denen die Person wiederholt zurückgegangen ist (also Trails
die kleine Kinder oder eine bestimmte Sorte von Alzheimer Patienten hinterlassen);
und zum anderen Trails, die in einem Gebiet liegen, an der die betreffende
Person häufig unterwegs ist – also z. B. wenn die Person von zuhause
ausgegangen ist.
Im ersten Fall entspricht die Trail quasi einem verhedderten
Wollknäuel, das es vom Hund zu entwirren gilt, im zweiten Fall
ist es schwierig für den Hund die frischeste von ca. 20 ähnlich
frischen Trails herauszufinden. Beide Aufgaben sind sehr anspruchsvoll.
Auch geschieht es gelegentlich, dass ein Mantrailer
zwar die Trail bis zu einer bestimmten Stelle nachvollziehen kann, aber
dann (relativ kurz vor dem Ziel) ratlos ist. Häufig ist die Erklärung
darin zu sehen, dass die gesuchte Person relativ nahe ist, der Geruchspool
aber so groß, dass der Hund die Quelle nicht mehr orten kann.
Eine andere Erklärung hierfür könnte
sein, dass die vermisste Person bereits gestorben ist, denn für
Hunde riechen verstorbene Personen nicht mehr so wie die Trail, die sie
verfolgt haben.
3) Sinnvolle Einsatztaktik beim MT
Ziel und Aufgabe des Mantrailers kann es nicht
sein, andere Suchmethoden zu verhindern oder überflüssig
zu machen, denn dazu gibt es beim Mantrailing viel zu viele Unwägbarkeiten.
Das Mantrailing ist eine weitere unterstützende Maßnahme
in der Suche nach vermissten Personen. Dabei ist darauf zu achten, dass
sich die verschiedenen Suchmethoden (Wärmebildkamera, Flächensuchhunde,
Mantrailer, …) nicht gegenseitig behindern. Die Hilfsmaßnahmen
sollten sich nicht (ausschließlich) danach richten, was der Mantrailer
vorgibt. Das, was das Mantrailing-Team bei einem Einsatz herausfindet,
sollte lediglich mit in die generellen Überlegungen einbezogen
werden, insbesondere dann, wenn dies nicht durch andere „Beweise“ untermauert
wird.
4) Anforderungsprofil an den MT
Im Einsatz muss man sich darauf verlassen können,
dass der Hund (1.) in Suchstimmung kommt, (2.) ggf. anzeigt, dass
die Person deren Geruchsartikel er „gezeigt“ bekommt, nicht in dieser
Gegend gewesen ist, aber ansonsten (3.) die Trail in die richtige Richtung
verfolgt, die zum Geruchsartikel passt (4.), (5.) von den unter Umständen
mehreren Trail der gleichen Person die frischeste verfolgt, (6.) am Ende
der Trail eine eindeutige Anzeige macht und zwar (7.) bei der Person
von der der Geruchsartikel stammt, oder (8.) das die Trail nicht weiter
verfolgt werden kann, weil die Person z.B. in ein Auto, Bus o. ä. eingestiegen
ist.
5) Sind wir reif für den Einsatz?
Diese Frage sollte sich jeder stellen, bevor
er in den Einsatz geht, denn die Verantwortung ist groß und die
Erwartungen an ein Mantrailer-Team auch. Zwei Szenarien sind mir bekannt,
die meines Erachtens für eine generelle Überprüfung ganz
gut geeignet erscheinen:
- Als Suchgebiet wird ein stark frequentiertes Gelände
(etwa ein öffentlicher Park) ausgesucht, in der die Versteckperson
am Morgen des Tages eine Trail legt. Wichtig ist, dass das Suchgebiet
auch wirklich an diesem Tag durch eine Vielzahl von verschiedenen Leuten
benutzt wird. Daher muss man ggf. auf geeignetes Wetter achten. Am Ende
des Tages wird das Mantrailing-Team zur Suche angesetzt.
- Suchgebiet ist ein klar umrissenes Gebiet (Wald,
Park, Ortschaft), in dem eine Person zu verschiedenen Zeiten unterschiedliche
Trails legt. Aufgabe ist es, vom Ansatzpunkt aus die frischeste Trail
zu verfolgen, wobei nicht alle Trails am gleichen Punkt beginnen oder
enden müssen.
Ich mache hier bewusst keine konkreten Angaben zur
Länge und dem Alter der Trails. Je nach Gelände und Witterung
können die Anforderungen nämlich sehr unterschiedlich sein.
Das Alter sowie Länge sollten sich in etwa an den realen Verhältnissen
orientieren: also zwischen 6 – 24 Stunden alt und bis zu 2 km lang sein.
Natürlich kann man die Trail auch älter oder länger machen.
6) Wie sollte ein MT-Einsatz aussehen?
Im (für den Mantrailer) optimalen Falle,
würde dieser (oder ein auf dem Gebiet des Mantrailer-Einsatzes
erfahrenen Einsatzleiter) bei einer Vermisstensuche von der Polizei
zuerst an den Einsatzort berufen (noch vor der Feuerwehr oder anderen
Hilfskräften), damit der Einsatzort so wenig wie möglich durch
fremde Personen und unsachgemäßes Verhalten kontaminiert wird.
Dabei müsste der PLS festgestellt und weitläufig abgeschirmt
werden. Insbesondere notwendig ist dies, wenn der Ausgangspunkt ein Auto
o. ä. ist. Dies ist deshalb notwendig, weil auch nur ein kurzer Aufenthalt
in der Nähe des Autos dazu führen kann, dass dieses mit fremdem
Geruch kontaminiert wird. Dies erschwert es dem Hund unnötig festzustellen,
wen er denn eigentlich suchen soll. Es ist absolut wichtig, dass alle Personen,
die an der Ansatzstelle waren (besonders am Auto etc.) sich am PLS zur
Verfügung halten, damit sie der Hund ggf. eliminieren kann.
Dem Hundeführer wird dann die Möglichkeit
gegeben, sich selbst einen Geruchsartikel zu besorgen – im Idealfall
von der Wohnung der vermissten Person – und diesen zum Ansatzort zurückzubringen.
Dort wird der Hund dann angesetzt, u. U. nachdem er mit den Personen
hat Kontakt aufnehmen können, deren Geruch ebenfalls am PLS zu finden
sind. Zum Mantrailing-Team sollten gehören: ein Hund, ein Hundeführer,
eine versierte Person, deren Aufgabe darin besteht, den Hund zu beobachten
und zu lesen, mindestens eine weitere Person, die das Mantrailing-Team
vor Autos, Passanten o. ä. abschirmt, ggf. den Verkehr anhält
etc.
Stehen beim Einsatz mehrere Mantrailing-Teams zur
Verfügung, so sollten diese im Abstand von ca. 15 Minuten nacheinander
an dem PLS angesetzt werden, damit sie sich gegenseitig bestätigen
können – oder eben nicht. Es ist darauf zu achten, dass jedes Mantrailing-Team
nicht darüber informiert ist, welchen Weg die anderen genommen
haben, um gegenseitige Beeinflussung möglichst auszuschließen.
Sobald das Mantrailing-Team sich zur Suche aufgemacht
hat, werden sämtliche anderen Rettungs- und Hilfskräfte wie
gewohnt zur Suche geschickt. Dabei sollte die Einsatzstrategie sich
nicht (in erster Linie) auf das Verhalten und die Ergebnisse des Mantrailers
stützen. Lediglich der PLS sollte weiterhin möglichst
nicht betreten werden, falls der Hund später noch einmal angesetzt
werden soll.
Finden sich auf der Trail Anhaltspunkte, dass die
vermisste Person tatsächlich dort gewesen sein könnte, so
kann der Einsatzleiter u. U. seine Taktik verändern und an den
Ergebnissen des Mantrailers ausrichten. Es ist aber immer zu berücksichtigen,
dass die Anhaltspunkte falsch interpretiert worden sein können.
7) Prüfungen sinnvoll oder nicht?
Zunächst eines vorweg: ich bin schon deswegen
nicht gegen Prüfungen, weil ich weiß, wie viele Leute sich
etwas über das Können ihres Hundes in die Tasche lügen.
Meine Meinung ist, dass jeder Mensch eine von der eigenen Person unabhängige
Beurteilung über das eigene Können braucht.
Trotzdem: die Prüfungsgläubigkeit Vieler
kommt mir manchmal unbegründet vor – insbesondere, weil ich schon
grottenschlechte Flächensuchhunde mit Prüfung getroffen habe.
In einigen Fällen habe ich sogar den Verdacht, dass es sich lediglich
darum handelt, einem Hundeteam den Einsatz zu verwehren – unabhängig
von deren wirklichen Können. Beim Mantrailen kommt der besondere
Umstand hinzu, dass es keine allgemein anerkannte Prüfung gibt,
es aber auch innerhalb der verschiedenen Organisationen häufig keine
eigenen gibt. Das mag daran liegen, dass in Deutschland noch zu wenige
Erfahrungen mit Mantrailern und deren Ausbildung gemacht werden konnten,
oder dass es zu wenige Experten gibt, die wissen, worauf es bei einem
Mantrailing-Team ankommt, oder dass keinerlei Interesse besteht, diese
auszubilden und einzusetzen, oder dass die Befürchtung seitens der
Flächensuchhundeteams besteht, die Mantrailer könnten sie überflüssig
machen.
Eine Prüfungsordnung, die von Leuten erstellt
wird, die von der Materie nichts verstehen, ist nicht sinnvoll. Gleichzeitig:
eine Prüfungsordnung, die von Leuten erstellt wird, die sich ihr
selbst unterwerfen müssen, hat auch so ihre Tücken. Schließlich
will man sie ja selbst bestehen. Da kann es sein, dass man gewisse Dinge
nicht fordert, einfach weil man weiß, dass man sie selbst nicht
erfüllen kann, auch wenn sie sinnvoll wären. Eine Messlatte
so hoch zu hängen, dass sie keiner erfüllen kann, ist auch nicht
des Rätsels Lösung. Zudem ist – gerade auf dem Gebiet des Mantrailing
– die Tagesform des Hundeteams eine nicht zu unterschätzende Größe.
Auch gibt es Teams, die unter normalen Bedingungen
durchaus hervorragende Leistung bringen, aber schlichtweg keine Prüfungstypen
sind, und unter solch einer Situation deutlich schlechter abschneiden
als normal.
Wie also kann man das Dilemma lösen? Ich würde
mich generell schwer damit tun, einem Suchteam (egal welche Richtung)
aufgrund eines Eindrucks von wenigen Minuten (die Prüfungsdauer
ist in der Regel nicht mehr als 45 Minuten) eine Einsatztauglichkeit
zu bescheinigen oder zu verweigern. Was für mich zählt sind
nicht Momentaufnahmen, sondern eine konstante Leistung, die in dem Zeitraum
einfach nicht festzustellen ist. Daher müsste eine Überprüfung
von einer unabhängigen Person über mehrere Tage hinweg erfolgen.
8) „erfolgreiche“ Mantrailer-Einsätze
Häufig wird die Frage gestellt, ob den Mantrailer-Einsätze
wirklich „erfolgreicher“ seien als Einsätze mit Flächensuchhunden.
Dazu müsste man zunächst klären, was denn unter einem
„erfolgreichen“ Einsatz zu verstehen ist. Ich verstehe unter einem erfolgreichen
Mantrailer Einsatz:
- wenn durch den Einsatz dieses
Suchteams Erkenntnisse gewonnen werden können, die zur Klärung
des Aufenthaltsortes der vermissten Person führen. Sprich: wenn
ein Mantrailer anzeigt, dass die Person nicht an einem gewissen Ort gewesen
ist (obwohl Augenzeugen sie vermeintlich dort gesehen haben),
- wenn der Mantrailer feststellt,
dass die Person sich in eine ganz andere Richtung vom PLS entfernt hat,
als man zunächst annahm,
- wenn ein Mantrailer feststellt,
dass sich die Person aus dem vermuteten Gebiet gänzlich entfernt
hat, etwa in dem sie ein Verkehrsmittel benutzt hat,
- wenn der Mantrailer die betreffende
Person bis in unmittelbare Nähe verfolgen kann, so dass sie von
anderen Personen oder auch Suchteams gefunden werden kann,
- wenn der Mantrailer selbst die
betreffende Person findet.
Ein Mantrailer-Team kann also auf verschiedene Weise
dazu beitragen, mehr Informationen über den Verbleib der Person
zu erhalten, auch wenn sie die Person selbst nicht findet. Schließlich
handelt es sich hierbei nicht um einen Wettbewerb zwischen Flächensuchhunden
und Mantrailern, sondern es geht darum, die vermisste Person möglichst
aufzufinden und eine Zusammenarbeit der beiden Suchmethoden ist sicherlich
das optimale.
9) Sammlung von Berichten zu MT-Einsätzen
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